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17.12.2015

Vom Fall zum Feld - vom betroffenen Menschen zum Sozialraum

Der Bezirk ist überörtlicher Träger der Sozialhilfe und damit zuständig für die Eingliederungshilfe behinderter Menschen. Gerade wir Grüne machen uns immer wieder Gedanken, wie man die Versorgung dieser betroffenen Menschen inklusiver gestalten könnte. Da Steuerung am einfachsten über Geld geht, müssen wir uns Gedanken über alternative Finanzierungsmodelle machen:

Jetzige Finanzierung: Die Leistungserbringer (Wohlfahrtsverbände) bekommen mehr Geld, wenn Sie mehr Fälle haben - je schwerer, desto lukrativer. Deswegen kümmern sie sich um die Einzelfälle und nicht um den Sozialraum außen herum, das Feld. Das ist auch vom Gesetz so vorgesehen. Wenn ich dann als Dienstleister präventiv im Sozialraum arbeite und dadurch später weniger Fälle abrechnen kann, ist das ein Verlustgeschäft. Warum soll ich das machen?

Überspitzt gesagt: Ziel ist nicht die gute Versorgung im Sozialraum, sondern die gute Versorgung und möglichst Mehrung der Einzelfälle. Die Logik ist vergleichbar mit der Feuerwehr: Wenn ich ausschließlich für das Löschen von Bränden bezahle, wird wenig für die Vermeidung von Bränden getan.

Alternative Sozialraumbudget: Bei diesem Modell wird die Finanzierungslogik umgedreht. Abgerechnet wird nicht nach der Zahl der Fälle, sondern nach der Zielerreichung im Sozialraum - das ist eine andere Systemlogik. Dann kann es für den Träger auch finanziell lohnend sein, zum Beispiel die Einzelbetreuung der Fälle zurückzufahren und Gruppenkonzepte und Sozialraumkonzepte zu entwickeln, weil er damit ebenfalls Geld verdienen kann. Für die Betroffenen ist dies in vielen Fällen besser und es dient der Entwicklung einer inklusiven Gesellschaft.

Ausgedrückt im Feuerwehrmodell: Wenn ich im Sozialraum vorbeugend und breit tätig bin, vermeide ich damit Feuerwehreinsätze. Das ist besser und langfristig wohl auch kostengünstiger.

Probleme: Immer wieder wurden solche alternativen Finanzierungsmodelle versucht. Zum Beispiel nimmt man das Budget für alle Einzelfälle zusammen plus eine jährliche Steigerung und bietet den Trägern an, dass sie dieses Sozialraumbudget bekommen. Damit betreuen die Träger ihre Fälle und können und dürfen mit den Erlösen zusätzlich im Sozialraum anbieten und investieren. Da das Sozialgesetz aber die Einzelfallabrechnung vorschreibt, kann dies bisher ausschließlich in Modellprojekten durchgeführt werden. Bei der Jugendhilfe funktioniert das sehr gut, bei der Eingliederungshilfe ist es noch schwierig.

Zukunft: Wir sind der festen Überzeugung, dass solch ein Modellprojekt für Mittelfranken zukunftsfähig und wegweisend wäre. Ein geplanter Fachtag dazu wurde vom Sozialausschuss nicht genehmigt (siehe Antrag vom 1.9.2015), aber wenigstens eine fundierte Information im Sozialausschuss wird im nächsten Jahr stattfinden.